Fakten

Zahlen und Daten über Alkohol

  • Jede/r zehnte Österreicher/in ist einmal im Leben alkoholabhängig und reduziert so die Lebenserwartung um 10 bis 30 Jahre.
  • Jeder zehnte Todesfall betrifft eine/n „Alkoholiker/in“.
  • Im Querschnitt sind bis zu 5% der österreichischen Bevölkerung ab dem 16. Lebensjahr alkoholabhängig, weitere 12% konsumieren Alkohol in riskanter Weise. Männer sind mehr als doppelt so oft betroffen wie Frauen – 14% der Männer und 6% der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Alkoholismus.
  • Österreich liegt gemessen am allgemeinen Alkoholkonsum weit über den WHO-Richtlinien für eine alkoholgesunde Gesellschaft und zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit den höchsten Konsumraten.

  • Österreich liegt mit 11,9 Litern reinen Alkohols pro Person (ab 15J) deutlich über EU 15 Schnitt von 9,87l und somit im Spitzenfeld. Vor uns platzieren sich nur Weißrussland, Litauen, Tschechien und Irland. In Italien wird mit 6,1l gerade die Hälfte konsumiert.
  • Österreich erreicht nach Tschechien Rang 2 für 105l Bierkonsum pro Kopf.
  • Während in Deutschland ein ähnlich hoher allgemeiner Alkoholkonsum gemessen wurde, liegt der Anteil deutscher Jugendlicher (15-25 %) bei allen Fragen zum Alkoholkonsum sehr deutlich unter dem Konsumniveau hierzulande, wo der Anteil der Jugendlichen, die in den letzter vier Wochen Schnaps, Bier oder Wein getrunken hatten, jeweils bei 60 % liegt.
  • Jede/r Sechste österreichische Jugendliche, die/der für die letzten 12 Monate Alkoholkonsum berichtete, gab Unfälle oder Verletzungen unter Alkoholkonsum an. Etwa jede/r Zehnte, die/der für die letzten 12 Monate Alkoholkonsum angab, berichtet von Raufereien, Geschlechtsverkehr ohne Kondom oder Lenken eines Mopeds bzw. anderen Kraftfahrzeugs unter Alkoholeinflusses.
  • Jugendliche sind den problematischen Alkoholkonsum betreffend nicht die Hauptproblemgruppe (Uhl et al. 2013), denn sie trinken heute seltener und weniger intensiv, steigen allerdings ein Jahr früher in den regelmäßigen Konsum ein.
  • Es gibt in Zusammenhang mit Alkohol einen Anstieg abstinenter Jugendlicher und einen Rückgang der durchschnittlichen Trinkmenge. Burschen gaben 2015 durchschnittlich deutlich weniger Alkoholkonsum an als 2003, während der Durchschnittskonsum bei Mädchen nicht rückläufig zu sein scheint, aber nach wie vor geringer ist als jener von Burschen (Angleichung der Geschlechter).
  • In der Europäischen Union liegt Alkohol als Risikofaktor für Erkrankung und Tod an dritter Stelle, nach Tabak und Bluthochdruck. Rund 25 % aller Todesfälle bei jungen Männern zwischen 15 und 29 Jahren stehen mit Alkoholkonsum in Zusammenhang.
  • Weltweit betrachtet ist die europäische Bevölkerung jene mit dem höchsten Alkoholkonsum pro Kopf (Europäische Kommission 2010)

Steiermark 

Im Bundesländer-Vergleich sind Steirerinnen und Steirer von den Folgen des Alkoholkonsums überdurchschnittlich betroffen. Umgelegt auf die Steiermark bedeutet das, dass etwa 52.000 Menschen alkoholabhängig sind und weitere rd. 125.000 SteirerInnen ein problematisches Konsumverhalten zeigen.

(Gesundheitsbericht für die Steiermark, 2015)


Zu viel Alkohol schadet der Gesundheit

 

Alkohol begünstigt die Entstehung von Bluthochdruck. Dadurch steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Einige Krebserkrankungen werden durch übermäßigen Alkoholkonsum mitverursacht, wie beispielsweise Speiseröhrenkrebs, Magen- und Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Leberkrebs.

Neben einer Schädigung des Nervensystems geht regelmäßiges stärkeres Trinken mit einer Störung der Sexualfunktion einher.

(Quelle: Bundesministerium für Gesundheit. Ausgabe 2015. Der ganz normale Alkoholkonsum.)

Für gesunde Erwachsene wird empfohlen, mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzuhalten.

Psychische und soziale Auswirkungen

Es kommt zu Wesens- und Leistungsveränderungen bei chronischen Alkoholismus wie Störungen des Altgedächtnisses und der Merkfähigkeit, Herabsetzung der Aufmerksamkeit, gesteigerte Ermüdbarkeit, Abnahme der Urteils- und Kritikfähigkeit, gesenkte Konzentrationsleistung, gesteigerte Beeinflussbarkeit, Verlust von Interessen, Unzuverlässigkeit, Affektlabilität, Stimmungsschwankungen (Handbuch Alkohol – Österreich. Zahlen. Daten. Fakten. Trends. 2009).

Die Schädigung von Gehirn und Nerven durch langfristigen hohen Alkoholkonsum beeinflusst zudem die Psyche. Verschiedene Auswirkungen zeigen sich, z.B. starke Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Depression und/oder Persönlichkeitsveränderungen. Auch Alkoholhalluzinose (akustische und optische Halluzinationen aufgrund der eingeschränkten Gehirnfunktion durch Alkohol) und Eifersuchtswahn können auftreten (www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sucht/alkoholismus/folgen).

Alkoholabhängigkeit hat nicht nur schwerwiegende Folgen für die Betroffenen, sondern auch für deren Familien, Partnerinnen/Partner und Kinder. Sie leiden meist stark unter der Situation, da oftmals ein Zusammenhang zwischen Gewalt und Alkoholkonsum besteht. Außerdem kann es zu Schwierigkeiten am Arbeitsplatz sowie zu Unfällen, z.B. im Straßenverkehr oder im Haushalt, kommen. Das soziale Leben der Betroffenen ist erheblich beeinträchtigt. Auch Dritte können betroffen sein (Isolation der Familie, Freundeskreis wendet sich ab) (www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sucht/alkoholismus/folgen).


Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Alkoholkrankheit

Eine ökonomische Analyse des Institutes für höhere Studien kommt zu folgenden Ergebnissen im Überblick:

Die Alkoholkrankheit verursachte im Jahr 2011 Kosten von EUR 374 Mio. alleine an direkten medizinischen Kosten. Das sind 1,4% aller Kosten im Gesundheitswesen. Rechnet man die medizinischen Kosten einer Bevölkerung des Jahres 2011, die durch Alkohol in Zukunft anfallen, mit, so entstehen (zu heutigem Wert) Kosten von EUR 1.518 Mio.

Den Krankenkassen entstehen zusätzlich EUR 6,62 Mio. an Krankengeldzahlungen. Das sind 1,2% aller Krankengeldzahlungen. Die zukünftigen Krankengeldzahlungen zu heutigen Werten sind EUR 139 Mio.

Hinzu kommen Pflegegeldzahlungen von EUR 8 Mio., das sind 0,34% der Pflegegeldzahlungen. Insgesamt sind das zukünftig EUR 309 Mio.

Bei den Invaliditätspensionen fallen netto zusätzlich EUR 23,5 Mio. oder 0,59% aller Invaliditätspensionen an. An zukünftigen Invaliditätspensionen fallen EUR 1.617 Mio. zu heutigen Werten an.

Bei den Alterspensionen ergibt sich ein Saldo von EUR -3,7 Mio, das sind -0,01% der Alterspensionen. Zu heutigen Werten sind das aus der Zukunft insgesamt EUR -1.389 Mio.

Produktivitätsausfall: Aufgrund von Fehlzeiten, früherer Pensionierung und Sterblichkeit ist die Produktivität der österreichischen Wirtschaft deutlich beeinträchtigt. Im Jahr 2011 entstanden EUR 441,7 Mio. (0,15% vom BIP) an Schaden aus ungenutztem Arbeitspotenzial. Über die Zeit ergibt dies EUR 17.880 Mio. zu heutigen Werten.

Gesamtsaldo: Die Kosten überwiegen den „Nutzen“ um EUR 737,9 Mio. oder 0,25% des BIP. Der Saldo aus zukünftigen Jahren zu heutigen Werten beträgt EUR 17.692 Mio.

Die Kosten des übermäßigen Alkoholkonsums überwiegen den Nutzen somit bei weitem.

(Quelle: Czypionka T. et al.: Volkswirtschaftliche Effekte der Alkoholkrankheit: Eine ökonomische Analyse für Österreich. Endbericht 2013. Institut für höhere Studien. S 8.)


Schritte einer Abhängigkeitsentwicklung

Die Entstehung einer Abhängigkeit stellt eine schleichende, individuell verlaufende Entwicklung dar. Viele Alkoholabhängige können sich nicht erklären, warum sie eigentlich jahrelang Alkohol getrunken haben. Lediglich eine relativ kleine Gruppe, die sog. „Konflikttrinker“, kann klar angeben, welche Wirkung sie durch das Trinken von Alkohol angestrebt hat. Die Mehrheit der Betroffenen kann dagegen mit der Frage, wozu oder warum sie in bestimmten Situationen immer wieder zu Alkohol gegriffen haben, nichts anfangen.

Standardsätze:

  • „Ich habe den Alkohol halt gebraucht“
  • „Ich habe einfach aus Gewohnheit getrunken“
  • „Es hat mir eben geschmeckt“

In unserer Gesellschaft gibt es eine Vielzahl von sozialen Situationen, in denen das Trinken von Alkohol derart verbreitet ist, dass der Einzelne sich seiner persönlichen Trinkmotive kaum noch bewusst ist. Die individuelle Wirkung des Alkohols ist somit durch den sozialen Trinkanlass weitgehend verdeckt bzw. „maskiert“. Bereits die Einnahme kleiner Mengen Alkohols beeinträchtigt die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung. Der Betroffene merkt dadurch nicht mehr, dass sich sein Denken, Fühlen und Verhalten unter Alkoholeinwirkung erheblich verändern. Vielen Betroffenen ist es äußerst peinlich zuzugeben, dass sie Alkohol vor allem wegen seiner angenehmen Wirkung in ganz bestimmten Situationen zu sich genommen haben, weil sie das als ein Zeichen von Schwäche ansehen.

Jahrelang haben sie in ihrem (hohen) Konsum von Alkohol lediglich eine harmlose Angewohnheit gesehen und dabei nicht bemerkt, dass sich hieraus mit der Zeit eine Abhängigkeit entwickelt hat. Viele Abhängige sträuben sich mit einer für Außenstehende oftmals unbegreiflichen Hartnäckigkeit, sich selbst einzugestehen, dass sie ein Suchtproblem haben. Sie fühlen sich in ihrem Selbstwertgefühl derart bedroht, dass sie solange nur irgend möglich die Augen vor der Tatsache ihrer Abhängigkeit verschließen. Durch immer geschicktere sog. „Abwehrmechanismen“ versuchen viele Betroffene stattdessen, sich selbst und ihre Umwelt weiter von der Harmlosigkeit ihres Alkoholkonsums zu überzeugen.

(Quelle: Lindenmeyer, 2016: Lieber schlau als blau. 9., überarbeitete Auflage. Beltz Verlag.)