Werden Sie Teil der Initiative „Mehr vom Leben“

Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für bewussteren Umgang mit Alkohol

Es gibt viele Möglichkeiten sich im Rahmen der Kampagne zu engagieren und zu zeigen, dass wir SteirerInnen mehr vom Leben wollen. Machen Sie mit und tragen Sie dazu bei, dass die Gefahren von Alkohol in der Steiermark reduziert werden.

Als Einzelperson

  •  Setzen Sie niemanden unter Druck, Alkohol zu trinken.
  • Seien Sie ein Vorbild – vor allem für Kinder und Jugendliche.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld offen über Alkohol.
  • Machen Sie mit und werden auch Sie ein Teil der Mehr vom Leben-Initiative. 

    Tragen Sie sich hier ein und erhalten Sie regelmäßig Tipps, Informationen über Aktionen oder Veranstaltungen der Kampagne:

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Als Verein

Vereine übernehmen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und leisten einen wertvollen Beitrag um Traditionen, Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen in der Steiermark aufrecht zu erhalten und weiter zu geben.

Auch der Umgang mit Alkohol in der Gemeinschaft hinterlässt Eindrücke und wird weitergegeben. Umso wichtiger ist es verantwortungsbewusst zu genießen. Alkoholprävention ist eine Gemeinschaftsaufgabe und dabei haben alle ein Stück Verantwortung für ein wertschätzendes und gesundes Miteinander zu tragen.

Ihr Verein kann Teil der „Mehr vom Leben“- Initiative werden:

  • Lassen Sie uns an Ihren Eindrücken, Erfahrungen und Ideen teilhaben.
  • Wie werden in Ihrem  Verein Feste und Pausen gestaltet, gibt es Regelungen zum Alkoholkonsum, wie werden Siege oder Niederlagen gefeiert?
  • Wie nehmen Sie Ihre Vorbildfunktion wahr?

Bei Interesse freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme via info@mehr-vom-leben.at

Hier können Sie auch Informationsmaterialien für Ihr Vereinslokal anfordern.

Fasching feiern – aber richtig

Graz-Ahoi, He-Du oder Spüma-zaum! 

Die Faschingszeit – in der ganzen Steiermark wird gefeiert mit kreativen Kostümen, imposanten Umzügen und lustigen Gschnas im Ort. Das eine oder andere Gläschen Alkohol mit Freunden gehört genauso dazu wie buntes Konfetti oder Faschingskrapfen. Daran ist nichts falsch, Fasching ist dazu da, gefeiert zu werden.

Fasching feiern ohne Risiko

Der Spaß hat hingegen ein Ende, wenn die Heimfahrt im Spital endet. Leider entscheiden sich immer wieder Menschen dazu, sich nach feuchtfröhlichen Feiern hinter das Steuer zu setzen – mit fatalen Folgen für sie selbst und andere. Denn bereits bei 0,5 Promille im Blut besteht das 2-fache Unfallrisiko, bei 1,0 Promille bereits das 7-fache.

Darum zahlt es sich aus, im Vorhinein zu planen. Hierzu ein paar Tipps: 

  • Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, wie Nightlines, wenn diese in Ihrer Umgebung angeboten werden.
  • Einigen Sie sich im Freundeskreis wer das Auto fährt – und zwar ganz ohne Alkohol!
  • Wenn Sie bemerken, dass jemand in Ihrer Familie oder im Freundeskreis Alkohol getrunken hat und deshalb nicht mehr Autofahren sollte, bieten Sie an, ein Taxi zu rufen oder die Person nach Hause zu bringen.
  • Taxigeld und Ähnliches mögen einem in diesem Moment vielleicht wie eine Geldverschwendung vorkommen. Das Geld ist allerdings gut investiert. Denn der Betrag steht kaum im Verhältnis zu hohen Geldstrafen, Führerscheinverlust und Unfall – also den möglichen Konsequenzen, die Alkohol am Steuer nach sich zieht.

Wir wünschen eine fröhliche Faschingszeit!

Alkohol im Betrieb – ein Expert*innen Talk, Teil 2

In Teil 2 unserer Gesprächsrunde mit betrieblichen Suchtexpert*innen lesen Sie, wie die betriebliche Alkoholprävention in der Praxis abläuft, welche Erfolgsfaktoren es dafür braucht und warum Sensibilisierung und Kommunikation so wichtig sind.

MvL: Wie läuft die betriebliche Alkoholprävention in der Praxis ab?

Barbara FLUCH: Zuerst werden in der Einstiegsberatung Ziele und Möglichkeiten eines Programms erläutert, ein Überblick über riskanten Alkoholkonsum gegeben sowie ein kurzer Leitfaden zum Umgang mit suchtgefährdeten Mitarbeiterinnen vorgestellt. Wir analysieren grob die Ausgangslage sowie die Ziele des jeweiligen Betriebs. Entscheidet sich der Betrieb dann dafür, Alkoholprävention zu implementieren, gibt es unterschiedliche Phasen: Gestartet wird mit der Diagnosephase, einer Ist-Analyse und Bedarfserhebung. Danach werden das „Mehr vom Leben“-Projektmanagement und eine Steuerungsgruppe installiert, diese setzt sich idealerweise aus Führungskräften und Betriebsrat zusammen. Wir raten dazu, eine Betriebsvereinbarung aufzusetzen, in der Regeln für Konsum, Früherkennung und Interventionen festgelegt werden. Danach folgt die Maßnahmenplanung, in welcher der Betrieb konkrete Maßnahmen zur Sensibilisierung des Teams ausarbeitet. Beispiele für Maßnahmen sind z.B. ein schwarzes Brett zur Informationsvermittlung, Punktnüchternheit, Coaching-Angebote oder das Alkoholangebot aus der Kantine zu streichen. Die Maßnahmen planen wir gemeinsam mit den Betrieben und begleiten die Umsetzung. Die Führungskräfte schulen wir darüber hinaus noch im Fürsorge- und Klärungsgespräch sowie entlang des Interventionsleitfadens für suchtgefährdete Mitarbeiterinnen.


© barbarafluch.at

DSP Barbara Fluch ist Psychotherapeutin und Sozialpädagogin. Sie war Leiterin einer stationären Therapieeinrichtung der Caritas und hat dort eine Strategie zum Thema Alkohol im Arbeitsumfeld der Caritas – als Vorbereitung auf eine Betriebliche Suchtpräventionsstrategie – mitentwickelt. Derzeit ist Fluch in freier Praxis für Psychotherapie, Supervision und Coaching tätig.

Barbara Fluch, Praxis für Psychotherapie und Coaching

Barbara SUPP: Es wird empfohlen, Gespräche nicht nur einmal zu führen, sondern in bestimmten zeitlichen Abständen zu wiederholen. Dabei sollte die Reaktion (z.B. Konsequenzen, Sanktionen) und die Verbindlichkeit mit jedem Mal gesteigert werden. So genannte „Stufenpläne“ sind eine Art verbindlicher Handlungsleitfaden und erleichtern Führungskräften ein klares und transparentes Vorgehen. Man muss die Menschen, die den Stufenplan umsetzen, schulen und „fit“ machen. Neben spezifischen Werkzeugen wie Gesprächsbausteinen, Vorbereitungen, Checklisten und Übungen muss das Grundverständnis, was man im Gespräch erreichen kann, gefördert werden. Hier ist die persönliche Haltung zentral. Man muss sich überlegen, was einen dazu motiviert in so ein schwieriges Gespräch zu gehen, dessen Ausgang man nicht kennt. Hilfreich ist, wenn Führungskräfte ihre Motivation vorab für sich festlegen – warum mache ich das? Das kann sein, dass hinter dem Problem ein Mensch steht, dem es nicht gut geht, Verantwortung, das Team oder die Sicherheit. Der Stufenplan gibt einen Rahmen vor. Der Ablauf ist nicht in Stein gemeißelt, sondern muss individuell auf das Unternehmen abgestimmt werden. Ziel ist es Unterstützung und Hilfsmöglichkeiten anzubieten. Überwiegend laufen solche Interventionsketten erfolgreich ab.

MvL: Welche Faktoren in Betrieben sind förderlich für eine erfolgreiche Alkoholprävention?

Manfred GEISHOFER-GOSCH: Führungskräfte und Arbeitnehmerinnen-Vertreterinnen müssen sich einig sein und voll hinter dem Programm stehen. Es muss ein Konsens hergestellt werden und unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen der einzelnen Akteur*innen im Vorfeld diskutiert werden, sonst sind Konflikte und Blockaden vorprogrammiert. Im Gegensatz zu klassischen Gesundheitsförderungs-programmen, die nach dem Prinzip bottom-up gut funktionieren, braucht es bei der betrieblichen Alkohoprävention einen top-down-Ansatz. Es braucht außerdem die Bereitschaft, das Programm über mehrere Jahre am Laufen zu halten. Ein bisschen Suchtprävention zu machen und z.B. einmalig einen Vortrag zu organisieren, reicht nicht. Suchtprävention muss Teil der Unternehmenskultur werden.


© Foto privat

Manfred H. Geishofer-Gosch ist Vorstandsvorsitzender der b.a.s. – Steirische Gesellschaft für Suchtfragen, Psychotherapeut (ECP) und Supervisor in freier Praxis. Von 1999 bis 2017 war er Gesellschafter von DELPHIn – Arge Betriebliche Gesundheitsförderung mit dem Schwerpunkt Konzeption, Prozessbegleitung und Schulung im Rahmen von Projekten der Betrieblichen Suchtprävention.

Manfred Geishofer-Gosch, Praxis für Psychotherapie, Beratung und Supervision


Barbara FLUCH: Es ist wichtig eine Unternehmenskultur des Vertrauens aufzubauen und den Mitarbeiterinnen deutlich zu machen, dass es kein Strafprogramm, sondern eine Unterstützung ist. Diese Botschaft und Haltung muss vom Betrieb glaubwürdig vermittelt und nach innen und außen gelebt werden. Dann kann das Projekt Erfolg haben. Die interne Kommunikation und die Einbindung der Mitarbeiterinnen sind das Um und Auf. Auch Zweifel müssen angesprochen werden und Unsicherheiten.

MvL: Haben Sie persönliche Best-Practice Beispiele?

Barbara SUPP: Ich habe gemeinsam mit einer Theatergruppe das interaktive Theaterprojekt „Blaupause“ ins Leben gerufen. Gemeinsam haben wir interaktive Theaterszenen entwickelt, in denen es darum geht, dass eine Mitarbeiterin Alkohol konsumiert und die Kolleginnen überfordert sind. Jede Szene endet recht unbefriedigend. Damit gehen wir in Betriebe und spielen die Szenen dem Publikum vor. Danach wird gemeinsam beraten und wir spielen die Szenen nochmals. Beim zweiten Mal haben die Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, in die Szenen einzugreifen und den Schauspielerinnen zu sagen, was sie anders machen sollen. Damit wird das Thema nicht nur einprägsamer, sondern auch die spielerische Annäherung an ein schwieriges Thema gezeigt. Ich bin schon sehr lange in diesem Bereich tätig und begleite Unternehmen oft viele Jahre. Da ist es dann immer toll zu sehen, wie sich das Verständnis und der Umgang verändert haben. Am schönsten ist es natürlich, wenn man Geschichten von Mitarbeiterinnen hört, denen geholfen werden konnte.


© Barbara Supp, Sissi Furgler Fotografie

Mag.a Barbara Supp setzt sich als Psychologin, Unternehmensberaterin und Supervisorin seit über 15 Jahren mit vielfältigen Themen der Arbeitswelt auseinander und unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung innerbetrieblicher Programme, z. B. zur Betrieblichen Suchtprävention, Gesundheitsförderung sowie Team- und Organisationsentwicklung.

Barbara Supp, Psychologin & Geschäftsführerin von BLUE MONDAY

Manfred GEISHOFER-GOSCH: Mein persönliches Best-Practice Projekt ist der Magistrat Graz. Nach einem Piloten mit der Berufsfeuerwehr haben sich alle Abteilungen angeschlossen und auch die oberste Führungsriege hat sich zu dem Programm bekannt. Das Thema Sucht war kein Tabu und auch die Maßnahmen waren kein Tabu. Es wurden keine Kosten und Mühe gescheut: Neben großen Mitarbeiterinnen-Veranstaltungen und Schulungen wurden rund 40 Mitarbeiterinnen zu Erstansprechpersonen ausgebildet, eine interne Erstberatung für Führungskräfte und Betroffene wurde installiert. Es gab auch Zusatzprojekte wie z. B. zum Konfliktmanagement. Das Programm besteht seit mittlerweile 15 Jahren.

MvL: Nehmen viele Betriebe in der Steiermark das Angebot zur betrieblichen Alkoholprävention in Anspruch?

Barbara SUPP: Meine Wahrnehmung ist, dass Großunternehmen das Thema betriebliche Suchtprävention fast durchgängig aufgreifen. Die Herausforderung liegt eher bei KMUs und Kleinstbetrieben. Hier gibt es Aufholbedarf. Eine familiäre Arbeitsatmosphäre ist oft ein Hindernis, weil man sich in eine sehr persönliche Ebene reinbewegt. Kolleg*innen haben oft das Gefühl, jemanden zu verraten. Das Thema Suchtprävention ist sicher kein leichtes, ich würde sogar sagen, dass es für Führungskräfte die „Kür“ ist, sich dem Thema zu widmen.

Barbara FLUCH: Das Förderprogramm des Gesundheitsfonds Steiermark nehmen einige Betriebe gerne in Anspruch. Aber es braucht schon eine gewisse Sensibilisierung für das Thema. Mit der Förderung verpflichtet sich ein Unternehmen ja für ein Jahresprojekt, wo man sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzt. In den Projektbegleitungen merken wir den Aufwand. Die Arbeit ist sehr intensiv und fordernd, weil es ja auch interne Systeme betrifft, die man ändern muss und weil oft sehr persönliche Themen bzw. Bereiche angesprochen werden. Es braucht Zeit. Zum einen Zeit, wo wir als Expert*innen in den Betrieb kommen und mit den Führungskräften arbeiten. Und die müssen ja danach noch einiges tun. Ich glaube, dass der Aufwand vor allem für kleinere Unternehmen oft hinderlich ist, sich diesem Thema zu widmen. Die Förderung ist sicher ein wichtiger Anreiz. Man muss sich aber überlegen, wie man hier noch mehr Unterstützung bieten kann, vor allem für KMU.

MvL: Wie wichtig ist die Initiative „Weniger Alkohol – Mehr vom Leben“ für die Steiermark?

Barbara FLUCH: Ich finde es sehr wichtig. Der Ansatz, Prävention durch Bewusstseinsbildung zu betreiben, ist sinnvoller als mit Verboten zu arbeiten. Auch der Anreiz einer Förderung ist wesentlich, um den Betrieben die Auseinandersetzung mit dem Thema schmackhaft zu machen. Es ist ähnlich wie bei der Nikotinprävention, dass es jetzt einmal ein Start ist. Es wird noch einige Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis in unserer Gesellschaft bzw. der Politik angekommen ist, dass Alkohol ein Suchtmittel ist. Deswegen braucht es auch weiterhin Kommunikation und öffentliche Fürsprache, im Sinne der „Advocacy“. Aber man muss immer daran denken, dass wir es u.a. erfolgreichen Advocacy-Kampagnen zu verdanken haben, dass es heute eine Gurtpflicht und ein strenges Tabakgesetzt gibt.

Förderung für Betriebe

Unsere Expert*innen beraten auch Ihren Betrieb gerne im Rahmen der Mehr vom Leben-Betriebsförderung

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Alkohol im Betrieb – ein Expert*innen Talk, Teil 1