„Ich bin ein ‚Alles-oder-nichts‘-Typ“: Im Gespräch mit Zonko
Fritz Triendl, Zonko genannt, ist Journalist und Testfahrer beim Motorradmagazin 1.000 PS. In der deutschsprachigen Motorradszene hat er sich durch große Praxiserfahrung und authentische und humorvolle Berichte einen Namen gemacht. Und: Zonko hat sich schon mit 23 Jahren für ein alkoholfreies Leben entscheiden. In unserer Rubrik „Sober Stories“ stellen wir regelmäßig Menschen vor, die sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol entschieden haben und das auch offen leben.
Warum haben Sie den Entschluss gefasst, keinen Alkohol mehr zu trinken?
Nachdem ich nach harten Nächten im Studentenheim eingesehen habe, dass ich dazu neige, über den Durst zu trinken, habe ich bereits mit 23 Jahren beschlossen, ganz auf Alkohol zu verzichten.
Fällt es Ihnen leicht, in Österreich alkoholfrei zu leben?
Anfangs war es nicht leicht, weil ja mein gesamter Freundeskreis unterwegs war, und Ausgehen und Feiern mit Alkohol in Zusammenhang standen. Mittlerweile fällt es mir ganz leicht.
Für welche Alternative entscheiden Sie sich, wenn Sie abends in eine Bar gehen?
In einer Bar bin ich sehr selten. Alkoholfreies Bier trinke ich gerne, Cola sowieso, und es gibt mittlerweile auch sehr gute 0,0 Cocktails.
Was trinken Sie, wenn Sie auf etwas anstoßen?
Orangensaft, Wasser, Cola … Mir ist das mittlerweile vollkommen egal. Und die Menschen, die darauf beharren nach dem Motto „na wenigstens zum Anstoßen“ werden erstens immer weniger und zweitens nehme ich ein derartiges Ansinnen nicht ernst.
Wie hat sich der Verzicht auf Alkohol auf Ihr Leben und auf Ihre Gesundheit ausgewirkt?
Wie sich das auf meine Gesundheit ausgewirkt hat, kann ich nicht sagen. Mein Leben hat sich aber schon stark verändert. Ohne Alkohol gab es die langen Exzesse nicht mehr, keine durchzechten Nächte und auch keinen Kater am Tag danach. Ich muss mir auch nie mehr die Frage stellen, ob ich noch fahrtüchtig bin. Ich kann mich jederzeit auf mein Motorrad schwingen. Das ist mir sehr wichtig.
Merken Sie einen Wandel in Österreich?
Der Wandel ist enorm. In den 70er- und 80er-Jahren war es ganz normal, dass die Herren eine Flasche Hochprozentigen in einer Schreibtisch-Lade hatten. Es war auch ganz normal, dass sich zum Beispiel Journalisten beim Recherchieren einer Story mit dem Informanten schwer betrunken haben, und es galt auch noch als Kavaliersdelikt, nach der Heurigen-Orgie mit dem eigenen Auto nach Hause zu fahren („Solange ich noch sitzen kann, kann ich auch noch fahren“).
Welche Veränderungen wünschen Sie sich in Bezug auf den Umgang mit Alkohol?
Mehr alkoholfreie Alternativen wären großartig. Beim Bier ist man schon weit, aber beim Wein ist das alkoholfreie Angebot eher trist und schmeckt unwürdig.
Inwiefern helfen Ihnen Hobbys dabei, auf Alkohol zu verzichten?
Mittlerweile ist Alkohol einfach kein Thema mehr für mich. So gesehen muss ich nicht darauf verzichten. Ich erinnere mich aber gut daran, dass Sport eine großartige Alternative zum Feiern war. Ich spürte, wie ich fitter, schneller und stärker wurde. Das hat mein Selbstwertgefühl ordentlich gepusht und mich in meinem Entschluss bestärkt.
Was sollten Ihrer Meinung nach mehr Leute über Alkoholverzicht wissen?
Ich bin kein Missionar und habe die Weisheit nicht gepachtet. Was ich aber definitiv weiß: Mein Leben wäre nicht so gut verlaufen, wenn ich dem Alkohol keinen Riegel vorgeschoben hätte. Vereinfacht gesagt: Ich bin ein „Alles-oder-nichts“-Typ. Und wenn man so gebaut ist, dürfte „nichts“ klüger sein.