Sober Story Oliver Hoffinger
Sober Stories

Ein schleichender Prozess: Im Gespräch mit Oliver Hoffinger 

22. April 2026

Spitzengastronom Oliver Hoffinger erzählt, wie sich sein Alkoholkonsum entwickelte – und wieso er sich für ein alkoholfreies Leben entschieden hat. In unserer Rubrik „Sober Stories“ stellen wir regelmäßig Menschen vor, die sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol entschieden haben. 

Wie hat sich Ihr Alkoholkonsum entwickelt und was war der entscheidende Wendepunkt? 

Die Problematik des Alkoholismus ist ja, dass es ein schleichender Prozess ist. Der Konsum steigerte sich in der Selbstständigkeit, als ich ein Lokal hatte, das 7 Tage in der Woche geöffnet hatte. Ich habe davon 6 Tage gearbeitet und mit den Gästen getrunken. Am siebten Tag war ich woanders essen und habe dort etwas getrunken. Das heißt nicht, dass man sich immer betrinkt, sondern man trinkt jeden Tag Alkohol. 

Ich habe das dann irgendwann erkannt. Der Punkt kam, als ich gemerkt habe, dass es ohne nicht mehr funktioniert. Ich brauchte täglich Alkohol und konnte mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne geht. Meine Frau Jenny sagte dann: „Wir gehen einen gemeinsamen Weg. Ich weiß nicht, ob der immer der gleiche bleiben wird, wenn du nichts veränderst.“ Ich bin ein radikaler Mensch und habe nie wieder ein Glas Alkohol getrunken. 

Welche körperlichen und geistigen Auswirkungen hatte der Alkoholverzicht? 

Meine Cholesterin- und Leberwerte waren schlecht. Ich habe viel gezittert. Die körperlichen Symptome waren aber nach eineinhalb Wochen Verzicht weg.  Dann war es nur noch Kopfsache. 

Mir war immer extrem wichtig, stolz darauf zu sein, was ich erreicht habe. Ich habe mir selbst oft gesagt: „Ich bin viel zu stolz darauf, dass ich jetzt 6 Wochen ohne Alkohol geschafft habe, die siebte schaff ich auch.“ 

Wie reagieren Sie auf skeptische Bemerkungen von Gästen oder Kolleginnen bezüglich Ihres Alkoholverzichts? 

Ich sage offen, dass ich keinen Alkohol trinke, weil ich für mich gesehen habe, dass es zu viel war und nicht gut für mich. Dann sind die meisten perplex. 

Was ist die wichtigste Botschaft für skeptische Menschen bezüglich des genussvollen, alkoholfreien Lebens? 

Ich nehme keinen Genuss weg, wenn ich Alkohol wegnehme. Ich gebe den klaren Kopf am nächsten Morgen. Ich will euch nichts wegnehmen, ich will euch etwas Neues zeigen. 

Was sind Ihre aktuellen Lieblingsgetränke? 

Ich trinke am liebsten Whisky Sour ohne Alkohol. Zu Silvester stoßen wir mit Holler Soda an. Und zu meinem Lieblingsessen, dem Wiener Schnitzel, trinke ich alkoholfreies Bier oder Holundersoda, oder Cola Zero, damit der Cholesterin-Haushalt mit dem Schnitzel schon gedeckt ist. 

Was bedeutet der Satz „weniger Alkohol, mehr vom Leben“ für Sie persönlich? 

Das ist mein Lebensmotto – im wahrsten Sinne des Wortes. All das, was ich in den letzten drei Jahren ohne Alkohol erreicht habe – das Restaurant, die Familie, der Freundeskreis – hätte nicht funktioniert, wenn ich weiter getrunken hätte. 

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