Vom Alkoholkranken zum Obmann und Rekordhalter im Paragleiten: Im Gespräch mit Kurt Wetzlinger

In unserer Rubrik „Sober Stories“ stellen wir regelmäßig Menschen vor, die sich dazu entscheiden, alkoholfrei zu leben. Kurt Wetzlinger, Pensionist und Obmann des Drachen- und Gleitschirmfliegervereins Ossiacher See, erzählt uns wie ihm das Paragleiten aus der Sucht geholfen hat.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen keinen Alkohol mehr zu trinken?

Ich war selbstständiger Handelsvertreter im Außendienst und mittlerweile bin ich seit 2,5 Jahren in Pension. Durch meine berufliche Tätigkeit hatte ich oft mit Alkohol zu tun und zum Schluss hatte ich ziemliche Probleme. Ich habe zwischen 12 und 15 Bier pro Tag konsumiert. Mit 49 Jahren habe ich mir gedacht: ‚Das ist kein Leben, um acht Uhr in der Früh ein Bier zu trinken‘! Schlussendlich habe ich mich dazu entschlossen, in das Behandlungszentrum in Treffen zu gehen. Denn nur wenn man es selbst möchte, kann man den Entzug schaffen. Mittlerweile trinke ich seit 25 Jahren keinen Alkohol mehr.

Wie reagieren Sie, wenn Ihnen Alkohol angeboten wird?

Ich bin seit 19 Jahren Obmann des Drachen- und Gleitschirmfliegervereins Ossiacher See und im Verein wissen alle Mitglieder, dass ich früher Alkoholiker war. Auch in meinem familiären Umfeld weiß jeder, dass ich keinen Alkohol trinke. Es versucht mich somit niemand zu einem Glas Bier oder Wein zu überreden und ich werde nicht komisch angesehen, wenn ich Alkohol ablehne. Im ersten Entzugsjahr war es schwierig, keinen Alkohol mehr zu trinken, aber mittlerweile stört es mich nicht, wenn in meiner Nähe Alkohol getrunken wird. Es ist wichtig, dass man als ehemaliger Alkoholiker kein Glas Bier oder Wein trinkt, da man sofort wieder rückfällig wird.

Hat Ihnen das Paragleiten aus der Sucht geholfen?

Ich wollte eigentlich schon immer Fliegen und dann ist die Alkoholsucht dazwischengekommen. In der Nähe des Behandlungszentrums in Treffen war zufällig eine Flugschule. Direkt über dem Krankenhaus war der Startpunkt und darunter war der Landeplatz. Ich konnte somit die Paragleiter beobachten und fasste den Entschluss, das Paragleiten zu lernen, wenn ich ein Jahr lang keinen Alkohol trinke. Damals haben mich immer alle ausgelacht. Ein Jahr später habe ich dann Kurse gemacht und bin dem Verein DGFC Ossiacher See beigetreten. Das Paragleiten war somit ein Ansporn, keinen Alkohol mehr zu trinken. Mittlerweile habe ich über 4.000 Flüge absolviert. Rund 600 davon gemeinsam mit meinem Hund Kyra. Wir sind Rekordhalter im Paragleiten mit Hund.

Wie beurteilen Sie den Umgang mit Alkohol in Österreich?

Ich finde es erschreckend, dass es täglich schwere Alkoholunfälle gibt. Meiner Meinung nach gehört Alkohol am Steuer viel stärker bestraft. Jemand, der mit 2 Promille einen Autounfall versursacht, ist ein Alkoholiker. Jemand, der keinen Alkohol trinkt, kann mit 2 Promille nicht mal mehr ins Auto steigen. An dieser Stelle sollte viel mehr angesetzt werden und Alkoholikern sofort der Führerschein abgenommen werden. Erst nach dem Entzug sollten sie wieder einen Führerschein bekommen.

Wie sind Sie auf die Initiative „Weniger Alkohol – Mehr vom Leben“ gekommen und wie beurteilen Sie die Initiative?

Ich bin durch Facebook auf die Initiative aufmerksam geworden. Ich finde die Initiative „Weniger Alkohol – Mehr vom Leben“ sehr gut und wichtig. Ich hoffe, dass viel mehr Alkoholiker und Alkoholikerinnen den richtigen Weg einschlagen, einen Entzug machen und danach nichts mehr trinken. Man muss nicht unbedingt in eine Entzugsklinik gehen, manche schaffen den Weg aus der Alkoholsucht ohne ärztliche Hilfe. Es ist jedoch wichtig, einen eisernen Willen und ein Ziel vor Augen zu haben.

Fotocredit: Kurt Wetzlinger

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