„Mehr vom Leben“ – Netzwerktreffen zum Thema „Alkohol als Selbstmedikation“

Am 7. Dezember 2022 fand bereits zum zehnten Mal das Netzwerktreffen „Weniger Alkohol – Mehr vom Leben“ statt. Das wichtige Thema „Alkohol als Selbstmedikation“ stand dieses Mal im Fokus. Rund 18 Personen aus den Bereichen wie z.B. Suchtberatung und -therapie, Suchtprävention, Krisenprävention sowie Betroffene nahmen an der Online-Veranstaltung teil und nutzten die Gelegenheit sich auszutauschen. Dr. Stefan Sinz, ärztlicher Leiter der Suchtberatung Obersteiermark und Facharzt für Psychiatrie und Arzt für Allgemeinmedizin, beleuchtete das Thema aus medizinischer Sicht.

Nach einem anstrengenden Arbeitstag oder bei psychischen und körperlichen Problemen greifen manche Menschen gerne zu einem Glas Alkohol. Die Wirkung des Alkohols soll Stress lindern und helfen, Probleme zu vergessen bzw. Beschwerden zu lindern. Das heißt, man verordnet sich selbst ein Glas Alkohol, damit sich der psychische und/oder körperliche Zustand „verbessert“. Alkohol als Medikament zu nutzen, erhöht das Risiko eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln oder das Grundleiden zu verschlimmern.

Alkohol als Medikament

Sport, gute Gespräche, Musik, Entspannungsübungen, Bücher lesen und Naturerlebnisse – es gibt verschiedene Methoden, um Stress abzubauen. Wenn Menschen verschiedene Möglichkeiten zur Stressbewältigung kennen und anwenden, entwickelt sich eher kein Suchtverhalten. „Wenn jedoch alternative Methoden zum Stressabbau verloren gehen und nur mehr der Alkohol als vermeintlicher ‚Problemlöser‘ übrig bleibt, besteht ein erhöhtes Risiko einer Suchtentwicklung. Alkohol wird als Selbstmedikation angewandt, um Stress abzubauen und Probleme zu vergessen“, sagt Dr. Sinz.

Psychische Krankheiten und Alkoholabhängigkeit

In seinem Vortrag erklärte Dr. Stefan Sinz, dass es wichtig ist bei einer Suchttherapie zwischen Menschen mit einer Suchterkrankung und Menschen mit einer Suchterkrankung und einer zu Grunde liegenden psychischen Erkrankung zu unterscheiden. Der Blick auf den Menschen als Ganzes und Offenheit in der Arzt*Ärztin-Patient*innen-Kommunikation sind hier wesentlich. Psychisch erkrankte Personen haben ein erhöhtes Risiko für eine Alkoholabhängigkeit. Beispielsweise hat ein Drittel der Menschen mit Schizophrenie eine Alkoholabhängigkeit. Eine mögliche Erklärung ist die Selbstmedikation.  

„Wenn alternative Methoden zum Stressabbau verloren gehen und nur mehr der Alkohol als vermeintlicher ‚Problemlöser‘ übrig bleibt, besteht ein erhöhtes Risiko einer Suchtentwicklung.“

Dr. Stefan Sinz, ärztlicher Leiter der Suchtberatung Obersteiermark
und Facharzt für Psychiatrie und Arzt für Allgemeinmedizin

Unterstützung bei Alkohol als Selbstmedikation

Die Unterstützung von Expertinnen und Experten ist bei einer Alkoholerkrankung wichtig. Falls die Betroffenen selbst keine Beratungsstellen aufsuchen möchten, sollten die Angehörigen den ersten Schritt wagen. Dort erhalten sie Tipps für den Umgang mit alkoholkranken Menschen sowie psychologische Hilfe. Dr. Stefan Sinz betonte, dass niederschwellige und vielfältige Angebote benötigt werden. Es können auch telefonische Beratungen sowie Onlineberatungen anonym in Anspruch genommen werden. Bei der Ausbildung von Suchtexpertinnen –und experten ist es wichtig die Erfahrungen von Betroffenen miteinzubeziehen.

Mehr vom Leben Netzwerk-News

Initiative „Weniger Alkohol – Mehr vom Leben“, Gesundheitsfonds Steiermark

Alkoholbericht Steiermark
Der aktuelle Alkoholbericht des Gesundheitsfonds Steiermark bietet Informationen zum Alkoholkonsum und dessen Folgen in der Steiermark. Die Daten und Fakten sind wichtig für die Weiterentwicklung der Alkoholprävention und Hilfsangebote für alkoholkranke Menschen in der Steiermark. Hier geht es zum Blogbeitrag: https://bit.ly/3gkmmxg

Dry January
Auf den Social Media Kanälen von „Weniger Alkohol – Mehr vom Leben“ findet im Jänner 2023 wieder der „Dry January“ statt. Unter dem Motto „Die Steiermark bleibt trocken“ wollen wir einen Monat lang mit Fakten und Tipps zum Verzicht auf Alkohol motivieren. Denn dem Körper einen Neustart zu gönnen, bringt viele Vorteile für Körper, Geist und Seele. Der Höhepunkt des „Dry January“ ist die Verkostung von alkoholfreien Getränken für Gastronominnen und Gastronomen und Sommeliers. Mehr dazu kann in unserem Blogbeitrag nachgelesen werden.


VIVID – Fachstelle für Suchtprävention

Dialogwoche Alkohol
Bereits zum vierten Mal findet von 8. bis 14. Mai 2023 die Dialogwoche Alkohol unter dem Motto „Wie viel ist zu viel?“ österreichweit statt. Die Initiative will über Alkohol informieren und freut sich über Ihre Unterstützung, Initiativen und Teilnahme. Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.dialogwoche-alkohol.at/

Alkoholfreie Alternative: Hot Toddy

Wärmender Teegenuss für kalte Tage. Honig, Zitronensaft und Gewürze sorgen für den typisch weihnachtlichen Geschmack und machen den Hot Toddy zur perfekten Alternative zum Glühwein.

Zutaten:
Für 2 Personen/ Tassen:
½ l heißer Schwarztee
2 TL Honig
2 TL Zitronensaft
1 TL-Spitze Zimt
1 TL-Spitze Nelken
1 TL-Spitze Muskatnuss gerieben
Zitronenscheibe

Zubereitung:
Gewürze, Honig und Zitronensaft in einer vorgewärmten Tasse oder Teekanne vermischen. Heißen Schwarztee dazugeben. Gut umrühren und 5-8 Minuten ziehen lassen. Mit Zitronenscheibe garnieren. Hier finden Sie weitere winterliche Rezepte: https://www.mehr-vom-leben.jetzt/rezepte/

Fotocredit: Carina und Lisa Portenschlager