Wie es um den Jugendschutz steht

Das Steiermärkische Jugendgesetz sieht in § 28 die Durchführung von Testkäufen vor.

Ziel ist dabei nicht primär die Bestrafung, sondern eine allgemeine Erhebung, ob und wie das Gesetz gelebt wird und welches Bewusstsein die Betriebe diesbezüglich an den Tag legen. Als Betriebe gelten vor allem Gastronomiebetriebe (auch Sportzentren, Schwimmbädern udgl.), Supermärkte, Tankstellen, Imbissstuben, usw.

2014 haben 50% der getesteten Betriebe den Jugendschutz nicht eingehalten. Tendenz besser werdend.

Im 1. „Testkauf-Jahr“ (2014) wurden 1840 Testkäufe getätigt, wobei fast 50% der getesteten Betriebe Alkohol oder Tabakerzeugnisse an unsere TestkäuferInnen verkauft haben; im 2. Jahr (2015) wurden 1528 Testkäufe durchgeführt und es haben nur mehr 42% der getesteten Betriebe an Jugendliche Alkohol und Tabak verkauft. Im 3. Jahr (2016) wurden 463 Testkäufe getätigt, wobei ein weiterer Rückgang auf 38% zu verzeichnen war. Ziel ist natürlich, dass die Tendenz in Richtung „unter 10%“ geht! Im heurigen Jahr sind ca. 2000 Testkäufe geplant!

Um dem Personal die Einhaltung des Jugendschutz- Gesetztes zu erleichtern, wurde in Kooperation mit der Wirtschaftskammer, dem Land Steiermark und der Stadt Graz eine Altersdrehscheibe entwickelt. Damit soll das Berechnen des exakten Alters erleichtert und nachstehende Situationen aus der Praxis vermieden werden:

    • 14-jähriges Mädchen bekam bei einem Getränkehandel eine 1 Liter Flasche Wodka –ohne Ausweiskontrolle.
    • 16-Jähriger bekam um 7.15h in der Früh bei einer Autobahnraststation ein Glas Wodka – ohne Ausweiskontrolle.
    • Oft verlangt das Kassapersonal den Ausweis, überprüft das Alter aber nicht bzw. ist nicht in der Lage das Alter zu errechnen (oft eigenartigste Rechenmodelle).
    • Manchmal wird nur nach dem Alter gefragt und darauf vertraut, dass die Aussage richtig ist.
    • In einigen Fällen war das Personal weder der deutschen Sprache mächtig noch waren die Jugendschutzbest. bekannt.
    • Viele Gewerbetreibende wissen nicht, dass Aperol gebrannter Alkohol und somit erst ab dem vollendeten 18.Lj erlaubt ist.

Der Steirische Aktionsplan Alkoholprävention

Wir haben viel vor

In der Steiermark soll ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol etabliert werden. Weniger Alkohol bringt mehr vom Leben – wo zu viel Alkohol Einfluss auf das Leben hat und wie die schönen Momente auch ohne oder mit wenig Alkohol funktionieren können, wird in den Schwerpunkten des Aktionsplan Alkoholprävention beschrieben.

Die sieben Schwerpunkte im Überblick

Schwerpunkt 1: Investitionen in Suchtprävention bei Kindern, Jugendlichen und Familien

In Österreich lebt ein Viertel aller Kinder und Jugendlicher in einem gemeinsamen Haushalt mit einem alkoholabhängigen oder -missbrauchenden Familienmitglied (vgl. Puhm et al. 2008, S37). Alkohol ist im gesellschaftlichen Leben allgegenwärtig und bereits Dreijährige können die bevorzugte Sorte Alkohol der Eltern beim Namen nennen.

Im Jugendalter gehören das Austesten von Grenzen sowie Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen zum Entwicklungsprozess dazu.

Kinder und Jugendliche brauchen deshalb glaubwürdige, erwachsene Vorbilder, klare und konsequent eingehaltene Jugendschutzbestimmungen, altersadäquate, sachliche Informationen zum Thema Alkohol und Programme, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol fördern.

Der Aktionsplan Alkoholprävention der Steiermark trägt diesem Umstand Rechnung indem Elternfortbildungen, Fort- und Weiterbildungen für Pädagogische Berufe, Jugendarbeit und aufsuchende Familienarbeit sowie Lebenskompetenzprogramme angeboten werden.

Schwerpunkt 2: Investitionen in Betrieblicher Alkoholprävention

Ein riskanter oder abhängiger Konsum bringt soziale und gesundheitliche Belastungen mit sich, die über kurz oder lang zur Beeinträchtigung der Arbeitsleistung und zur Vernachlässigung von Arbeitspflichten führen. Das unmittelbare Unfallrisiko erhöht sich, Fehlzeiten und Krankenstände sind die Folgen.

Wer alkoholisiert arbeitet gefährdet nicht nur sich selbst, sondern belastet auch die Kolleginnen und Kollegen.

Trotzdem wird dieses Thema immer noch tabuisiert. Der praktizierte Umgang reicht von Überreaktion bis Untätigkeit und ist geprägt von Fehlinformationen, Mythen, gut gemeinten Ratschlägen und falsch verstandener Hilfe.

Ziel des Aktionsplan für Alkoholprävention ist den steirischen Betrieben Werkzeuge zur Verfügung zu stellen die Information und Sensibilisierung möglich machen und Hilfsangebote klar aufzeigen.

Schwerpunkt 3: Selbstverpflichtung, Anreize und Schulungen in Gastronomie, Handel und Tankstellen

Branchen, die unmittelbar in die Alkoholwirtschaft miteingebunden sind wie Handel, Gastronomie und Tankstellen, haben einen gesonderten Anspruch im Umgang mit Alkohol.

Der Umgang mit Jugendschutz, mit berauschten KundInnen und die Schwierigkeiten die dieser beinhaltet erfordert ein spezielles Maßnahmenpaket.

Der Aktionsplan Alkoholprävention wird diesen Rahmenbedingungen gerecht und ergänzt den Betriebsschwerpunkt, indem die Bedarfe des alkoholhandelnden Personals erhoben sowie Schulungen für MitarbeiterInnen und Führungskräfte angeboten werden.

Schwerpunkt 4: Aktivierende Maßnahmen in Bezug auf Feste und Feiern

Vereine sind ein Ort der sozialen Begegnung – Alt und Jung, Mann und Frau leisten einen wertvollen Beitrag um kulturelle Werte und Traditionen in der Steiermark aufrecht zu erhalten. Ein funktionierendes Vereinsleben basiert auf Vorbildfunktion und einem wertschätzenden Miteinander.

Diese Vorbildwirkung und dieses Miteinander sollen besonders im Umgang mit Alkohol reflektiert werden und eine präventive und jugendschutzfreundliche Vereinskultur umgesetzt werden. Im Sinne des Aktionsplan Alkoholprävention sollen VeranstalterInnen und Vereine sensibilisiert werden, einen Beitrag zum verantwortungsvollen, genussvollen Umgang mit Alkohol zu leisten und soziale Verantwortung zu übernehmen.

Schwerpunkt 5: Sicherstellen von Kapazitäten für steigenden Beratungs- und Therapiebedarf

Der Aktionsplan Alkoholprävention soll in erster Linie einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol thematisieren. Diese Auseinandersetzung wird die Nachfrage an Beratungs- und Behandlungsangeboten für Betroffene und deren Angehörigen erhöhen.

Im Sinne dessen umfassen die Maßnahmen des Aktionsplan Alkoholprävention ausreichend bedarfsgerechte und regionale Beratungs-, Behandlungs- und Rehabilitationsangebote für Betroffene und deren Angehörige sicherzustellen sowie durch Früherkennung und Kurzinterventionen, Spätfolgen für die betroffene Person selbst, das soziale Umfeld und die gesamte Gesellschaft zu reduzieren.

Schwerpunkt 6: Kommunikationskonzept des Steirischen Aktionsplans Alkoholprävention

Am Stammtisch, beim Wirt des Vertrauens, im familiären Umfeld und Bekanntenkreis wird debattiert. Jetzt ist es Zeit über Alkohol an sich zu reden. Mittels der Kampagne „Weniger Alkohol- Mehr vom Leben“ wird der steirischen Bevölkerung Information und Wissen rund ums Thema Alkohol zur Verfügung gestellt. Fakten werden Mythen gegenübergestellt. Mittels der Aufmerksamkeit für das Thema soll das eigene Trinkverhalten reflektiert und hinterfragt werden.

Die unterschiedlichen Kommunikationsmaßnahmen und –aktivitäten dienen dem verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit Alkohol in der Steiermark einerseits und der Steigerung des Bekanntheitsgrades von Hilfsangeboten andererseits.

Schwerpunkt 7: Politische Gesundheitsarbeit 

Die Gesundheit der Bevölkerung kann nur durch gebündelte Anstrengungen in allen Politikfeldern wirksam und nachhaltig gefördert werden.

Die Gestaltung von Rahmenbedingungen durch Politik in Form von Änderungen, Beschränkungen und gesetzlicher Vorgaben sind Teil der Präventionsstrategie.

„Themenbericht Alkohol“

Der Gesundheitsfonds Steiermark veröffentlicht einen Bericht zum Thema Alkohol und Gesundheit. Dies ist der erste wissenschaftliche Bericht in Hinblick auf Alkoholkonsum, der sich ausschließlich auf die Steiermark fokussiert. 

Als datenbasierte Grundlage für die Umsetzung des Aktionsplan Alkoholprävention des Landes Steiermark, gibt der Bericht Einblick in die Motivlagen und Einstellungen zum Alkoholkonsum der Steirerinnen und Steirer, bildet die Versorgungslandschaft ab und weist auf die gesetzlichen Grundlagen und volkswirtschaftlichen Faktoren hin. Das Ergebnis zeigt deutlich: in der Steiermark wird zu viel Alkohol getrunken.

 Hier können  Sie den gesamten Bericht downloaden (PDF, 3.5 MB)

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

  • Männer haben mit 38,8 g reinem Alkohol pro Tag einen wesentlich höheren Wert als Frauen (13,5 g).
  • Damit liegen Männer in der Steiermark beim Alkoholkonsum bereits über der Harmlosigkeitsgrenze für Alkoholkonsum (24 g Reinalkohol pro Tag).
  • Die Folgen sind oft gesundheitliche Schäden und soziale Probleme.
  • Obwohl die SteirerInnen im Durchschnitt sehr viel trinken, stimmen 86,4 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Aufklärungs- und Informationsmaßnahmen zu Alkohol zentral sein sollten, um alkoholbedingte Probleme zu verringern.

Den Themenbericht Alkohol können Sie hier downloaden  (PDF, 3.5 MB)

Den Tabellenband zum Themenbericht finden Sie hier (PDF, 885 Kb)

Kalorienbombe Alkohol

Mittlerweile ist weitestgehend bekannt, dass alkoholische Getränke versteckte Kalorienbomben sind. Das gilt jedoch nicht nur für Bier. Wir haben die beliebtesten Sommerdrinks unter die Lupe genommen.

An einem lauen Sommerabend gibt es fast nichts Schöneres als sich mit FreundInnen zu treffen, zu grillen und erfrischende Getränke zu genießen. Viele greifen dabei gerne zu Sekt, Radler und anderen alkoholischen Mischgetränken, in der Annahme kalorienarme Alternativen zu Bier gefunden zu haben.

Doch was gibt den Anlass zu glauben, dass andere alkoholische Sommergetränke besser für die schlanke Linie wären? Gemeinsam mit der Ernährungsexpertin Mag. Martina Karla Steiner versuchen wir Licht in die Dunkelheit zu bringen.

Kalorien trinken oder essen?

Alkohol enthält Kalorien, das ist weitgehend bekannt. Weniger bekannt ist, dass Alkohol fast so viel Energie liefert wie Fett, aber sogar mehr(!) als Zucker. In Zahlen ausgedrückt 1 g Fett = 9 kcal, 1 g Alkohol = 7 kcal, 1 g Zucker = 4 kcal.

Zudem wirkt Alkohol noch appetitanregend! Wer sich ein zusätzliches Gläschen zur Mahlzeit gönnt, tut sich und seiner Figur somit nicht den besten Gefallen.

Bierbauch oder Waschbrettbauch

Ein Krügerl Bier zum Mittagessen ist schnell getrunken. Dabei verdoppelt aber Bier gerne einmal die Kalorien einer Mahlzeit. So hat 0,5 Liter Bier gleich viel Kalorien wie ein Teller Gulaschsuppe mit 220 kcal.

Auf vielen Ernährungs-Webseiten ist zu lesen, dass Bier eigentlich nicht dick macht, sondern das Essen, das man dazu isst. Nichtsdestotrotz ist der Nährwert von Bier im Vergleich ziemlich groß. Bereits zwei Krügerl  (0,5l) entsprechen einem Leberkässemmerl.

Auch der Radler, also die Mischung aus Fruchtlimonade und Bier, mit 169 kcal pro 0,5 Liter glänzt nicht mit niedrigen Werten. Wer aber nicht ganz auf den Geschmack von Bier verzichten will, dem steht die alkoholfreie Variante zur Verfügung, die mit 126 kcal pro 0,5 Liter schon um einiges weniger wiegt.

Süßes Prickeln

Wenn es etwas zu feiern gibt, lässt man bekanntlich die Korken knallen. Sekt fließt in Strömen. Leider kann man auch mit diesen Getränken nicht reinen Gewissens anstoßen. So hat 1 Flasche Sekt (750 ml) mit 622 kcal sogar mehr Kalorien als eine ganze Tafel Milchschokolade (100 g) mit durchschnittlich 541 kcal.  1 Glas Sekt kommt im Übrigen auf 83 kcal.

Wer sich das ersparen, aber nicht verzichten möchte, der greift mit nur ca. 25 kcal pro Glas am besten zu alkoholfreiem Sekt. 

Spritzige Trendgetränke 

Wein oder Sekt, zusätzlich noch mit Likör gemischt, sind im Sommer auf jeder Getränkekarte zu finden – meist in der Kategorie „Spritz.“ Erfrischend fruchtig scheint das die perfekte Alternative zu Mischgetränken mit schwerem Alkohol oder Cocktails zu sein. Der Schein trügt allerdings, denn schon drei Gläser davon entsprechen den Kalorien eines Mittagessens.

Mit nur einem Glas Spritz nimmt man um die 210 kcal zu sich.

Ähnlich verhält es sich mit Hugo, der pro Gläschen den selben Kaloriengehalt wie eine ganze Semmel hat, also ca. 130 kcal.

Mit Maß und Ziel

So schwer all diese Getränke von einem lustigen Abend mit FreundInnen  wegzudenken sind: Alkohol schlägt sich nicht nur auf der Waage nieder sondern kann auch erhebliche Folgen für die eigene Gesundheit haben.

Unser Tipp: Zwischendurch einfach mal ein Soda-Zitron bestellen oder eine alkoholfreie Variante wählen und an mindestens zwei Tagen pro Woche keinen Alkohol trinken. Das tut dem ganzen Körper gut. 

Neue Risikogruppe: Jung, erfolgreich, weiblich

Welches Bild hat man im Kopf, wenn man an eine alkoholabhängige Person denkt?   Wahrscheinlich das eines älteren Herren mit roter Nase und glasigem Blick. Aber neben dieser bekannten Risikogruppe versteckt sich eine genauso weit verbreitete. Die Risikogruppe der jungen Frauen.

Die Zahl der Diagnosen „Alkoholabhängigkeit“ in österreichischen Spitälern fällt bei Männern, während sie bei Frauen steigt. Die Fälle in der weiblichen Altersgruppe 18 bis 29 häufen sich in den letzten Jahren. Stark betroffen sind vor allem Akademikerinnen, Frauen auf hohem Bildungsniveau, die erfolgreiche Karrieren führen. Es stellt sich also die Frage, warum diese Entwicklung kaum angesprochen wird und was dahinter steckt.

In den eigenen vier Wänden

Frauen trinken anders. Sie ziehen sich eher in den privaten Bereich zurück anstatt eine Bar aufzusuchen. Das Paradebeispiel ist das Glas Wein nach einem langen Arbeitstag um den Feierabend genießen zu können. Wenn sich dieses Verhalten zur Gewohnheit entwickelt, hat sich die Sucht bereits eingeschlichen. Aus dem einen Achtel werden mit der Zeit mehrere, bis der Geuss zur Gefahr wird…

Kopfsache

Alkohol genießt leider nach wie vor eine große gesellschaftliche Anerkennung. So wird das Bild der beruflich erfolgreichen Kosmopolitin mit starker Vorliebe für Cocktails seit jeher von Film und Fernsehen in unsere Köpfe gepflanzt und dadurch normalisiert. Die Konditionierung lautet: Stress = Zur Flasche greifen. Verschiedene Stressfaktoren können einen Menschen in die Sucht treiben. Der Rauschzustand verspricht vielen dann eine sichere Methode zur Entspannung.

„Mit Alkohol verband sie Stressabbau, sie konnte zur Ruhe kommen und den Kopf abschalten“

schreibt broadly.vice.com in ihrem Artikel über eine Betroffene, die lange alkoholsüchtig war.

Stress und gesellschaftlicher Druck sind oft Auslöser

Dass ein großer Anteil der Risikogruppe Akademikerinnen sind, hat auch mit ihrem Job zu tun. In vielen Firmen ist Alkohol ein fester Bestandteil. Wer nicht mitmacht, ist benachteiligt. Wer verweigert, wird schief angesehen. Leider ist es auch nach wie vor schwer, sich als Frau in einer patriarchalisch geprägten Unternehmenskultur zu behaupten. Im Artikel „ Die betrunkene Frau“ in zeit.de spricht eine Frau offen über dieses Thema und dessen Konsequenzen:

„Ich sage ihr nicht, dass sie sich an ständigen Unterbrechungen, Unsichtbarkeit, Mikroaggression, fehlenden Vorbildern und ihrer eigenen lebenslangen Konditionierung vorbei arbeiten muss. Mein Job bei dieser Veranstaltung ist, meine Firma gut zu präsentieren, also lasse ich ein paar Sachen aus. Vor allem den Fakt, dass ich jeden Abend mindestens eine Flasche Wein trinke, um den Tag von mir zu waschen.“

Böses Erwachen

Viele betroffene Frauen rutschen mit ihrem Trinkverhalten in einen Trott, der lange Zeitvon ihnen als harmlos angesehen wird. Meist braucht es einen Anreiz von außen, beispielsweise vom Partner oder einem Arzt, um zu realisieren, dass der Alkohol bereits Überhand genommen hat. Dann ist es schwierig, mit der Entwöhnung und der langfristigen  Abstinenz  umzugehen. Jede Stresssituation, jedes abendliche Treffen mit Freunden, jeder Gang zum Supermarkt kostet Überwindung, nicht wieder rückfällig zu werden. Das Anvertrauen an den engsten Familien- und Freundeskreis kann dabei helfen.

Problem erkennen und Hilfe annehmen

Es ist wichtig, die Sucht als solche zu erkennen, um sich professionelle Hilfe holen zu können. ÄrztInnen können dann individuell angepasste Therapien bereitstellen, die den Weg in die Abstinenz erleichtern.  Abstinent zu bleiben ist für ehemals Süchtige  oft ihr ganzes Leben lang eine Last und Herausforderung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass endlich ein gesellschaftliches Umdenken passiert, damit Alkohol den Stellenwert verliert, den er fälschlicherweise schon so lange Zeit innehält.

Wenn Sie selbst oder jemand, den Sie kennen, zu viel Alkohol trinkt, nehmen Sie sich Hilfe und wenden Sie sich an eine der vielen Beratungsstellen in der Steiermark.

 

 

Alkohol in Krisenzeiten

Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand – quasi über Nacht hat sich unser Alltag durch COVID-19 radikal geändert. Wir alle stehen unter Anspannung und erleben –vielleicht zum ersten Mal im Leben – eine große Unsicherheit und Ungewissheit. Das bevorstehende Osterfest, auf das man sich schon gefreut hat, wird dieses Jahr völlig anders ablaufen, als wir es gewohnt sind. Zuhause zu bleiben, statt mit der Familie zu feiern, keine Ausflüge, Urlaube oder kirchliche Feierlichkeiten. Das kann bei vielen Frust, Einsamkeit oder auch Überforderung auslösen.

Tipps für die Quarantäne

Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen hat ein Infoblatt erstellt, wie Sie die häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen. Darin finden Sich zahlreiche hilfreiche Tipps, z.B. im Umgang mit Ängsten & Sorgen, Konfliktbewältigung mit Kindern oder dem Partner, Tipps gegen Langeweile, etc.

Alkohol ist kein guter Begleiter

Im Moment ist jede und jeder gefordert. Aber trinken Sie keinen Alkohol, um negative Gefühle zu verdrängen. Es mag für kurze Zeit eine Erleichterung spürbar sein, aber dieser Effekt ist nicht von Dauer und schadet Ihrer Gesundheit auf unterschiedliche Weise. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie zu viel trinken finden sie auf alkcoach.at Unterstützung. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich anonym, vertraulich und kostenlos für ein Alkoholreduktionsprogramm anzumelden. Über einen Zeitraum von sechs Wochen werden sie von alkcoach.at begleitet und lernen, Ihren Alkoholkonsum besser einzuschätzen und zu verringern. Der gesamte Kurs wird ausschließlich via Internet durchgeführt.

Auch während der Corona-Krise sind zahlreiche Hilfseinrichtungen und Beratungsstellen telefonisch erreichbar. Adressen und Kontakte finden Sie hier.

Wir wünschen Ihnen Frohe Ostern und weiterhin viel Kraft für diese herausfordernde Zeit. Bleiben Sie gesund!

Weniger Alkohol ist gut für das Miteinander

Gesundheitliche Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum

Die meisten Menschen wissen, dass Alkohol der Leber schaden kann. Doch viele unterschätzen die Gefahren von regelmäßigem Konsum enorm. Denn der Schritt vom Genuss zum Muss ist nur ein kleiner. Das zeigt auch die Statistik: derzeit sind über 50.000 Steirer alkoholabhängig, weitere 125.000 sind gefährdet und zeigen ein sogenanntes „problematisches Konsumverhalten“.

Stärkerer Alkoholkonsum lässt die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkten deutlich steigen, und steigert das Krebsrisiko enorm. Alkohol ist an der Entstehung von Krebs mitbeteiligt. So konnte bei einer Reihe von Krebserkrankungen, insbesondere bei Karzinomen der Speiseröhre, des Magen- und Darmtraktes, der Bauchspeicheldrüse, der weiblichen Brust und der Leber, Alkohol als Mitverursacher für deren Entwicklung erkannt werden.

Weiters schädigt regelmäßiges stärkeres Trinken das Nervensystem. Es beeinflusst auch die Sexualfunktion. Bei Männern kann es zu Potenzstörungen kommen, bei Frauen zu Zyklusstörungen und zu Störungen des Sexualtriebes.

Mit erhöhtem Alkoholkonsum entstehen auch soziale Probleme 

Vor allem die sozialen Auswirkungen, machen den Alkohol so problematisch. Die Warnzeichen sind dabei oft nicht sofort als solche erkennbar: Es kommt zu Wesens- und Leistungsveränderungen, geringerer Aufmerksamkeit, erhöhter Ermüdung oder Verringerung der Urteils- und Kritikfähigkeit – sowie dem Verlust von Interessen, massive Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Depression und/oder Persönlichkeitsveränderungen.

Das hat sowohl familiäre Auswirkungen, als auch berufliche. Vor allem Kinder leiden besonders stark darunter, wenn ein Familienmitglied zu viel trinkt. Fast jedes vierte Kind in Österreich lebt in einem Haushalt mit einem alkoholabhängigen oder missbrauchenden Familienmitglied. Und oft beeinflusst das ihr gesamtes weiteres Leben – denn ihr Familienalltag ist geprägt von Unsicherheit, Zweifel, Angst und immer wieder auch Gewalt.

Wer öfter auf Alkohol verzichtet tut damit nicht nur seinem Körper etwas Gutes, sondern verringert das Risiko durch den übermäßigen Alkoholkonsum sein soziales Umfeld zu belasten. Schöne Momente können bewusst genoßen werden – egal ob Zeit mit der Familie, beim Sport, in der Natur oder mit Freunden.

 

Volkswirtschaftliche Folgen von Alkohol

Die Alkoholkrankheit verursachte im Jahr 2011 Kosten von EUR 374 Mio. alleine an direkten medizinischen Kosten. Das sind 1,4% aller Kosten im Gesundheitswesen. Rechnet man die medizinischen Kosten einer Bevölkerung des Jahres 2011, die durch Alkohol in Zukunft anfallen, mit, so entstehen (zu heutigem Wert) Kosten von EUR 1.518 Mio.

Dazu kommen Kosten für Krankenkassen, Pflegegeldzahlungen, Invaliditätspensionen, Witwenpesnionen, der Produktivitätsausfall am Arbeitsplatz uvm. Die Studie von Czypionka (2013) zeigt, den Gesamtsaldo: Die Kosten von Alkoholkonsum überwiegen den „Nutzen“ um EUR 737,9 Mio. oder 0,25% des BIP. Der Saldo aus zukünftigen Jahren zu heutigen Werten beträgt EUR 17.692 Mio.

 

 

 

Die 7 größten Mythen über Alkohol

Immer wieder hört man die selben Aussagen rund um Alkohol. Mit Strohhalm wird man schneller betrunken, klar. Mit einer fettigen Unterlage verträgt man mehr.  Doch was ist dran an den weitverbreiteten Informationen? Wir haben die größten Mythen rund um Alkohol mal genauer unter die Lupe genommen. 

Mythos 1

Wer fettig isst, verträgt mehr Alkohol

Das fällt wohl in die Kategorie Fake News.
Es ist zwar wahr, dass eine üppige Mahlzeit die Aufnahme von Alkohol im Blut verzögert, letztlich gelangt er aber trotzdem ins Gehirn – nur eben etwas später.

Mythos 2

Schnaps regt die Verdauung an

Ein Verdauungsschnapserl wird einem in Österreich sehr oft angeboten. Mit Verdauung hat das aber wenig zu tun. Zwar entspannt sich die Magenmuskulatur durch den  hochprozentigen Alkohol kurz und bekämpft so das Völlegefühl – doch zu einer gesunden Verdauung kann Schnaps nicht beitragen. Somit ist Mythos 2 auch nur ein Mythos.

Mythos 3

Ein Reparaturbier hilft immer

Stimmt ebenfalls nicht.  Der Tag nach übermäßigem Alkoholkonsum ist oft sehr unangenehm und geht mit Kopfschmerzen und Übelkeit einher. Viele Menschen schwören auf ein „Reparaturbier“ – also ein Bier am nächsten Tag um den Kater zu bewältigen. Das ist tatsächlich Blödsinn, denn der Alkoholabbau verzögert sich zwar und man fühlt sich vielleicht kurzfristig besser, doch irgendwann muss der Alkohol abgebaut werden.

Mythos 4

Nach dem Schlaf ist man wieder nüchtern 

Ein gefährlicher Irrtum.  Denn auch im Schlaf werden nicht mehr als 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde abgebaut.

Mythos 5

Mit einem Strohhalm wird man schneller betrunken

Gerüchte besagen, dass man schneller betrunken wird wenn man das Getränk mit einem Strohhalm trinkt, da es angeblich durch die Mundschleimhaut schneller aufgenommer wird. Das ist ein Gerücht, denn die Mundschleimhaut ist im Vergleich zum Dickdarm winzig klein und kann somit nicht mehr aufnehmen. Die Art der Zufuhr des Alkohols macht demnach keinen Unterschied – es ist die Menge Reinalkohol, die jemanden mehr oder weniger betrunken macht.

Mythos 6

Bier auf Wein, das lass sein, Wein auf Bier, das rat‘ ich dir

Ein Mythos, der bereits seit Jahrzehnten herumgeistert und sich hartnäckig hält. Es ist egal in welcher Reihenfolge Alkohol getrunken wird, das einzige was die Gesundheit und den Kater beeinflussen sind die Mengen.  Alkohol ist Alkohol, und in welcher Reihenfolge er getrunken wird, ist egal. „Experten vermuten, dass diese Weisheit historisch bedingt ist. In früheren Zeiten galt Wein als hochwertiges Getränk, während Bier etwas für arme Leute war. Wer gesellschaftlich geachtet war, war ein Weintrinker, und wenn er später beim Bier landete, so hatte er offensichtlich einen sozialen Abstieg hinter sich. Wer sich aber vom Biertrinker zum Weintrinker stilisierte, hatte einen gesellschaftlichen Aufstieg geschafft“ – so Harald Frohnwieser (siehe Quelle).

Mythos 7

Ein Glas Wein am Tag  ist gesund

Stimmt so nicht. Tatsächlich ist täglicher Alkoholkonsum mit gefährlichen Risiken verbunden. Deshalb sollte man an mindestens zwei Tagen die Woche komplett auf Alkohol verzichten und nicht mehr als 0,2l Wein (Frauen) und 0,3l Wein (Männer) trinken.

 

Quelle: vgl. Harald Frohnwieser